UMTS als DSL-Killer
Das Interesse und die Beliebtheit, die in den letzten Monaten das Konzept des mobilen Internets auf sich ziehen konnte nutzen Mobilfunker zunehmend auch als Möglichkeit, um Festnetzanbieter auf dem ihnen angestammten Gebiet anzugreifen.
So gibt es immer mehr UMTS Angebote, die sich spezifisch auf die Nutzung in den eigenen vier Wänden beziehen. Das ist erst möglich geworden, seitdem die UMTS-Technologie leistungsfähig genug geworden ist, um auch mit gängigen DSL-Anschlüssen mithalten zu können.
DSL und UMTS werden immer vergleichbarer
Zwar funktioniert das noch nicht in allen Bereichen, da z.B. die Latenzzeiten eines UMTS-Internetzugangs nicht mit DSL mithalten können. Immerhin sind aber die erreichbaren Download-Geschwindigkeiten inzwischen mit denen von DSL3000-Leitungen durchaus vergleichbar, immer vorausgesetzt man befindet sich auch in einem UMTS-Ausbaugebiet, wo solche Speeds möglich sind. Das ist derzeit vor allem in Ballungsräumen und an anderen, viel frequentierten Orten der Fall. Beim Upload punktet UMTS auf besondere Weise, da man hier mit dem Upload-Turbo HSUPA, der aktuell auf Übertragungen mit bis zu 1,4 Mbit/s ausgelegt ist, bereits die meisten Festnetz-Anbieter und schnelle Leitungen wie z.B. DSL 16000 bei der Versand-Datenrate abhängt. Die ADSL-Leitungen bieten nämlich in aller Regel einen Upload von maximal 1 Mbit/s. Wer mehr will kann z.B. einen SDSL-Anschluss buchen, der aber mit erheblichen Mehrkosten verbunden und damit weitestgehend Geschäftskunden vorbehalten ist. Doch ist die UMTS-Woge noch lange nicht das Ende der Fahnenstange was die Leistungsfähigkeit mobiler Funknetze bei der Datenübertragung betrifft. So haben die großen Netzbetreiber bereits mehrere Nachfolger für UMTS in den Startlöchern die den DSL-Anbietern das Leben noch schwerer machen dürften. Die LTE-Technologie soll ab 2010 mobile Datenraten von bis zu 100 Mbit/s ermöglichen - da können kabelgebundene Leitungen immer weniger mithalten und die Gunst der Internet-Kunden dürfte immer mehr den Mobilfunk-Anbietern zuteil werden. Im Rahmen der NGMN (Next Generation Mobile Networks) Kooperationen global führender Netzbetreiber und Ausrüster werden zudem fortwährend Strategien für die Entwicklung zukunfts- und vor allem wettbewerbsfähiger Funknetze abgestimmt.
DSL und UMTS im Preisvergleich
Bleibt noch die Frage, wie konkurrenzfähig UMTS in der Gegenwart bei den Tarifen im Vergleich zu DSL ist, ein UMTS Tarifvergleich ist in dem Fall der Übersichtlichkeit halber hilfreich. Da schaut es dank rasch steigendem Wettbewerbsdruck für die Konsumenten immer besser aus: Neben fallenden Preisen werden auch verbesserte, transparentere Konditionen zunehmend als Verkaufsargument genutzt. So ist es für neu auf den Markt kommende UMTS-Angebote von Vorteil, auf die sonst übliche, starre Vertragsbindung zu verzichten und anstatt dessen Grundgebühr befreite Prepaid-Offerten zu machen. Der o2-Discounter-Spinoff Fonic hat das jüngst mit mehreren neu aufgelegten Datentarifen gezeigt. So gibt es dort je nach Bedarf eine mit 2,50 Euro vergleichsweise preisgünstige Tagesflatrate, wer einen Monat Flatrate-Surfen bei Fonic bestellt zahlt rund 30,- Euro, ohne Vertragsbindung, wie gesagt. Aber auch UMTS Flatrates mit Vertragsbindung sind durchaus bezahlbar geworden. Die Preise für eine Flat mit 6-Monats-Vertrag fangen bei rund 30,- Euro pro Monat an, wer sich auf einen Zweijahresvertrag einlassen und auf den UMTS-Turbo HDSPA verzichten kann, für den dürfte das Angebot von Base besonders interessant sein: Base verlangt für die Standard UMTS-Flatrate ohne Zeit- oder Volumenbegrenzung nur noch 20,- Euro pro Monat. Und hier hat Markenmutter E-Plus ein Produkt geschaffen, das trotz im Vergleich geringer Bandbreite einfach über den Preis so manche Entscheidung für einen DSL-Anschluss ins Wanken bringen dürfte. Denn für 20,- Euro monatlich kann man - bei entsprechender Abdeckung - auch mit 384 Kbit/s problemlos im Internet surfen, braucht keine DSL-Grundgebühr mehr bezahlen und kann den Internetanschluss auch noch überall hin mitnehmen. Die aktuellen Einschränkungen bei der Nutzung von UMTS-Internetzugängen hängen vor allem mit dem Druck zusammen, der auf den Netzbetreibern lastet, die Netzqualität und vor allem andere, etablierte Erlösformen zu schützen. So schließen inzwischen alle Anbieter die Nutzung von VoIP, Instant Messaging und die meisten auch Peer-to-Peer-Anwendungen aus. Das dürfte allerdings nur ein vorübergehendes Phänomen sein, da der Konkurrenzdruck seine Wirkung weiter entfalten dürfte und die Gesamtnetz-Kapazität gelichzeitig massiv ausgebaut wird. Sobald Kapazitätsüberschüsse nicht mehr anderweitig für Umsatzsteigerungen genutzt werden können werden Anbieter darüber nachdenken, ob man sich bei bestimmten Zielgruppen mit den heute noch ausgeschlossenen Leistungen nicht entscheidend besser positionieren könnte.